Vorwort

Das Hohelied Salomo, Shakespeares Hamlet oder Vergils Eclogen zählen nicht nur zu den bekanntesten Werken der Weimarer Cranach-Presse, sondern der europäischen Buchkunst insgesamt. Sie sind berühmt und hoch geschätzt und wurden zuletzt im Bröhan Museum, Berlin 2007, im Neuen Museum der Klassik Stiftung Weimar 2003, im Museum Schloss Burgk/Thüringen 1999 und im Deutschen Literaturarchiv Marbach/Neckar 1988 gezeigt. Mal stand die Schönheit der bibliophilen Erzeugnisse der Cranach-Presse, mal die Biographie ihres Gründers Harry Graf Kessler (1868-1937) im Mittelpunkt des Interesses.

Auch in der Weimarer Ausstellung aus Anlass des 100. Jahrestages der Gründung der Cranach-Presse fehlen weder die Meisterwerke noch die Bezüge zu Kessler. In erster Linie aber war es unser Wunsch, die Entwicklung des Unternehmens im Kontext der Zeit nachzuvollziehen, also eine kleine Kulturgeschichte der Cranach-Presse zu zeichnen - von der Vorgeschichte um die Jahrhundertwende bis zur Auflösung im Jahr 1932 (mit einem Epilog zur Verwendung der Schrifttypen der Cranach-Presse in neuem Zusammenhang). An Hand einer ausführlichen Fotodokumentation zeigen wir, wie die Arbeit in der Cranach-Presse ganz praktisch vonstattenging. In sechzig Abbildungen wird der Herstellungsprozess des »Hamlet« in allen Details erkennbar. Die Fotoserie erstmals in diesem Umfang vorstellen zu können, verdanken wir Beate Dorfner-Erbs, die uns die wertvollen Glasnegative aus dem Nachlass ihres Großvaters Otto Dorfner (1885-1955), eines der bedeutendsten deutschen Buchbinder des 20. Jahrhunderts, geschenkt hat.

Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek verfügt glücklicherweise über eine nahezu komplette Reihe der von der Cranach Presse herausgegebenen Publikationen, allerdings nicht aus eigenem Verdienst - der Erwerbungsetat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war armselig -, sondern im Wesentlichen dank eines Nachlasses von Georg Haar. Der Weimarer Kaufmann hatte in einer testamentarischen Verfügung vom 6. Juni 1945 seine einzigartige Sammlung an Buchkunst des frühen 20. Jahrhunderts der damaligen Thüringischen Landesbibliothek Weimar vermacht. Er hatte sie vorrangig in den zwanziger und dreißiger Jahren angelegt, stand aber mit dem von ihm bewunderten Kessler offenbar in keiner näheren persönlichen Beziehung. Heute zählen die insgesamt mehr als 1200 Drucke aus Haars Sammlung zu den besonders kostbaren Beständen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Einzelne Drucke der Cranach-Presse kamen auf andere Weise in die Bibliothek. 1996/97 konnte die Bibliothek einen kleinen Teil der durch die Emigration verstreuten Privatbibliothek Harry Graf Kesslers erwerben (insgesamt 140 Bände aus französischem und deutschem Privatbesitz). Einige hundert Bücher gelangten bereits in den dreißiger Jahren nach der Versteigerung seines Besitzes als Schenkung in die damalige Thüringische Landesbibliothek. Dieser Bestand wird heute durch gelegentliche Käufe aus dem Antiquariatshandel ergänzt, so dass zu hoffen ist, irgendwann einmal einen nennenswerten Teil der Kesslerschen Bibliothek in Weimar zusammengeführt zu haben.

Für die Leihgabe des Kessler-Portraits von Benedikt Fred Dolbin danken wir dem Deutschen Literaturachiv Marbach a. N. Auch Beate Dorfner-Erbs hat uns einige wichtige Zeugnisse der Cranach-Presse als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Renate Müller-Krumbach, die in den späten sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Cranach-Pressen-Forschung überhaupt erst in Gang gebracht hat, hat uns mündlichen Rat bereitwillig erteilt. Viel zu lernen war in früheren Jahren bereits von Gerhard Schuster und John-Dieter Brinks, in letzter Zeit von Thomas Föhl, dessen große Ausstellung über den »Alles-Künstler« van de Velde viele Anknüpfungspunkte zu unserer Schau bietet und nahezu zeitgleich eröffnet wurde.

Kompliment und Dank gehen an das hauseigene Ausstellungsteam, an erster Stelle an Hans Zimmermann, der seine Arbeit an der Erschließung der Zeitschrift Jugend zwar fortführte, aber alle sonst verfügbare Zeit in die Kuratierung dieses Projekts investierte. Ihre Arbeitskraft, guten Ideen und Begeisterung für die Sache steuerten Claudia Kleinbub, Johannes Mangei und Frank Sellinat bei. Die Verantwortung für Katalogredaktion und Einrichtung der Ausstellung lag wieder in den bewährten Händen von Claudia Kleinbub. Ihnen allen und den engagierten Autoren aus dem eigenen Haus, die zum Gelingen des Ganzen einen Katalogaufsatz beigesteuert haben, ist für ihre Mitwirkung herzlich zu danken. Für die Vorbereitung der Stücke und die Einrichtung der Vitrinen ist unsere Werkstatt für Buchrestaurierung und -konservierung verantwortlich, namentlich Petra Krause. Für die Abbildungsqualität steht die Fotothek mit ihrem Leiter Olaf Mokansky ein. Die grafische Gestaltung der Ausstellung verdanken wir einmal mehr der Kompetenz der Fa. Goldwiege, Weimar. Der Verleger Dieter Beuermann und der Gestalter Dieter Winzens haben sich mit ganzer Kraft und großem Fachwissen auf das Projekt eingelassen, so dass die Zusammenarbeit konstruktiv und reibungslos verlief. Für all diese Hilfe, die über das zu erwartende Maß hinausging, bin ich sehr dankbar.

Die Finanzierung von Ausstellung und Katalog hat dankenswerterweise erneut unser Freundeskreis, die Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek e. V. übernommen. Sein Vorstand mit Annette Seemann, Joachim Rieck, Eberhard Neumeyer und Jörg Teschner steht den Projekten der Bibliothek stets außerordentlich interessiert und hilfsbereit gegenüber. Zum Zeitpunkt der Eröffnung der Ausstellung feiert der Verein sein zehnjähriges Jubiläum.

 

Michael Knoche
Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek im März 2013

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